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Heilbronn: 400 Steine in die Hand genommen

Heilbronn: 400 Steine in die Hand genommen

Mehr als zwei Jahre war die Schillerstraße im Dr. Joachim Hennze von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Heilbronn erläutert die fertiggestellten Sanierungsarbeiten an den beiden Eisenbahnbrücken Schillerstraße.

Mehr als zwei Jahre war die Schillerstraße in Heilbronn im Bereich der Eisenbahnbrücken gesperrt. Jetzt ist wieder freigegeben: Nach 26 Monaten Bauzeit steht für die Anwohner dies- und jenseits der Bahntrasse nun wieder eine direkte und verkehrsarme Verbindung zwischen der Heilbronner Innenstadt und dem Pfühlpark zur Verfügung – eine verengte Spur für Fahrzeuge und eine weitere, baulich abgetrennte Spur für Radfahrer.

Die Neujustierung der Verkehrsführung ist nicht alleiniger Grund für die lange Bauzeit. „Die eigentliche Herausforderung war die 2,8 Millionen Euro teure Sanierung der zwei parallel angelegten und denkmalgeschützten Eisenbahnbrücken“, erklärt Dr. Joachim Hennze von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Heilbronn. „An dieser Stelle trennt sich die 1862 angelegte Strecke von Heilbronn nach Weinsberg von der im Jahr 1900 neu angelegten Verbindung in Richtung Südbahnhof“, so Hennze weiter. In diesem Zuge ließen die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen vor 120 Jahren die bisherige erhöhte Bahntrasse durchbrechen und zwei neue Brücken aus Werksteinmauern mit schmiedeeisernen Geländern errichten.

Komplett neu errichtet werden musste in den vergangenen zwei Jahren die Brücke für die aktive Bahnstrecke zwischen Heilbronn und Weinsberg. „Hier rollen heute regelmäßig Fahrzeuge mit mehr als 60 Tonnen Gewicht über die Brücke, zur Baufertigstellung um 1900 waren es täglich nur 16 Züge mit jeweils sieben Tonnen“, verdeutlicht Hennze die Notwendigkeit. Allerdings wurden hierfür alle rund 400 Sandsteine der alten Brückenverkleidung einzeln in die Hand genommen, im Natursteinwerk Wachauf in Eppingen-Mühlbach gereinigt und aufbereitet und nach dem Einschub der neuen Betonbrücke unter Verwendung von stoßdämpfendem Trasskalkmörtel wieder eingesetzt. „Dabei waren nur zehn Prozent der alten Steine unbrauchbar und mussten durch passende neue ersetzt werden“, weiß Hennze.

Die Steine der stillgelegten Bahnbrücke wurden ebenfalls gereinigt, aber an ihrem Platz belassen. Für die Stadt hat diese innerstädtische Eisenbahnanlage einen hohen Seltenheitswert. „Die im Zweiten Weltkrieg unzerstörte Brücke wurde seinerzeit auf hohem kunsthandwerklichen Niveau gebaut, insbesondere die schmiedeeisernen Brückengeländer mit ihren Voluten- und Lilienmotiven, und ist noch heute in guter Verfassung“, sagt Hennze. Der dort noch immer vereinzelt wachsende Efeu stellt kein Problem für die Brücke dar. Anders als die hier noch immer durchscheinenden Graffiti, die den Sandstein zersetzen.

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