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Wie ungewöhnlich wird die Februarwärme?

Wie ungewöhnlich wird die Februarwärme?

Das erste frühlingshafte Wochenende steht uns bevor. Wir nähern uns der 20-Grad-Marke und fragen, wie ungewöhnlich dieser Warmluftvorstoß ist.

 

Nach der vergangenen Kältewelle geht es nun mit der ersten vorfrühlingshaften "Wärmewelle" aus dem Keller in das Dachgeschoss des hiesigen Temperaturspektrums. Dass es nicht ganz für den "Dachgiebel" reicht, klang im gestrigen Artikel bereits an, ungewöhnlich mild wird es in einigen Regionen aber wahrscheinlich trotzdem. Wir ordnen das mit ein paar Zahlen ein.

Der Februar verläuft wettertechnisch durchaus sehr gegensätzlich, vermag also nach eiskaltem Winterwetter gerne auch mal mit verfrühter Frühlingswärme zu überraschen. Insofern ist der aktuelle eine Art Paradebeispiel. Wir beschränken uns auf die Wärme und schauen, was in der Vergangenheit im Februar bezüglich der Temperaturhöhenflüge so möglich war und blicken auf die Rekord-Höchsttemperaturen der einzelnen Bundesländer:

Nordrhein-Westfalen: Arnsberg 24,5 °C (26.02.1900)

Thüringen: Jena (Sternwarte) 23,1 °C (26.02.1900)

Baden-Württemberg: Müllheim 22,5 °C (29.02.1960)

Rheinland-Pfalz: Kaiserslautern 22,5 °C (29.02.1960)

Bayern: Kempten 22,3 °C (29.02.1960)

Saarland: Saarbrücken-Burbach 21,7 °C (27.02.2019)

Sachsen: Dresden-Strehlen 20,8 °C (24.02.2008)

Hessen: Runkel-Ennerich 20,0 °C (27.02.2019)

Sachsen-Anhalt: Bad Lauchstädt 20,0 °C (24.02.1990)

Brandenburg: Doberlug-Kirchhain 19,7 °C (21.02.1990)

Niedersachsen: Celle 19,3 °C (21.02.1990)

Berlin: Berlin-Tegel 18,9 °C (21.02.1990)

Hamburg: Hamburg-Sankt Pauli 18,6 °C (28.02.1959)

Bremen: Bremen 18,5 °C (26.02.1900)

Mecklenburg-Vorpommern: Kirchdorf-Poel 18,4 °C (21.02.1900)

Schleswig-Holstein: Grambeck 17,8 °C (16.02.2020)

10 der 16 Bundesländer durften in der Februar-Historie also bereits T-Shirt taugliche Temperaturen von 20 Grad und mehr erleben. Dass es sich dabei zumeist um Länder aus dem Süden und Westen Deutschlands handelt, sollte nicht verwundern, vollziehen sich die noch recht fragilen und zeitlich sehr begrenzten Warmluftvorstöße im Februar nämlich noch quasi ausschließlich aus südwestlicher Richtung. Die Warmluft erreicht den Norden und Osten daher allenfalls in abgeschwächter Form. Folglich warten immerhin 6 Länder im Norden und Osten noch vergeblich auf den Tag, an dem die Temperaturen im Februar die 20-Grad-Marke knacken.

Wir vergleichen die Rekordtemperaturen aus der obigen Auflistung mit den aktuell für das Wochenende vorhergesagten Höchsttemperaturen:

Nordrhein-Westfalen: 16-20 °C (mindestens -4,5 Grad zum Rekord)

Thüringen: 12-16 °C (-7,1 Grad)

Baden-Württemberg: 13-19 °C (-3,5 Grad) Rheinland-Pfalz: 15-19 °C (-3,5 Grad)

Bayern: 10-16 °C (-6,3 Grad)

Saarland: 16-18 °C (-3,7 Grad)

Sachsen: 10-16 °C (-4,8 Grad)

Hessen: 15-17 °C (-3,0 Grad)

Sachsen-Anhalt: 14-17 °C (-3,0 Grad)

Brandenburg: 12-16 °C (-3,7 Grad)

Niedersachsen: 13-18 °C 20,4 °C (-1,3 Grad)

Berlin: 14-15 °C (-3,9 Grad)

Hamburg: 15-17 °C (-1,6 Grad)

Bremen: 15-17 °C (-1,5 Grad)

Mecklenburg-Vorpommern: 10-16 °C (-2,4 Grad)

Schleswig-Holstein: 10-16 °C (-1,8 Grad)

Wie man sieht, halten die vorhergesagten Höchsttemperaturen einen Sicherheitsabstand von 2 bis 4 Grad zu den Rekorden und scheinen diese wohl nicht zu gefährden. Im Südosten und Osten, wo sich die Wärme nur schwer durchsetzen kann, rücken die Rekorde mit einem Abstand von teilweise 4 bis 7 Grad sogar in weite Ferne.

Ein weiterer Blick in die Historie aber zeigt auch, dass Februar-Tage mit 20 Grad und mehr nicht jedes Jahr in Deutschland auftreten, wenngleich sie sich im Zuge der Klimaerwärmung in den letzten Jahren häuften. In den vergangenen 20 Jahren (2001-2020) traten in 8 Jahren im Februar Höchsttemperaturen von 20 Grad auf - also in etwas weniger als jedem zweiten Jahr. In den 20-jährigen Zeiträumen 1981-2000 sowie 1961-1980 waren es jeweils nur 3.

Sollte die Prognose eintreten und irgendwo rund 20 Grad erreicht werden, können wir auf Grundlage der jüngsten Klimatologie (2001-2020) zwar nicht von einem rekordverdächtigen, aber auch nicht alljährlichen Ereignis ausgehen. Nach den bitterkalten letzten Tagen sollte sich das aber so oder so ziemlich warm anfühlen.

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, 18.02.2021

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